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Moritz Attenberger ©

Zustieg: Meer!

Philipp und Moritz Hans sind nach Griechenland gesegelt, um auf Amorgos eine Kletterroute einzubohren. Klingt einfach, war es aber nicht.

von Hannah-Marie Beck

Ihr seid Brüder, beste Freunde, aber auch sehr unterschiedliche Typen. Wie ergänzt ihr euch in der Wand?

Philipp Ich war schon auf einigen Expeditionen und bin eher derjenige, der sich auch mal richtig quälen kann. Moritz macht das nicht so gern. Aber er ist ein mega guter Wettkämpfer. Er behält im richtigen Moment einen klaren Kopf und war am Ende der Schlüssel zum Erfolg, weil er die schwierigste Stelle durchsteigen konnte.

Moritz, du bist eher große TV-Bühnen gewöhnt, wie bei "Ninja Warrior" oder "Let’s Dance". Wie war dagegen die Expedition für dich?

Moritz Die große Wand, das war für mich wirklich außerhalb der Komfortzone. Bei den TV-Shows steckt eine riesige Produktion dahinter, die schaut, dass alles funktioniert. Es ist herausfordernd, aber ich schlüpfe in eine Rolle, die ich auch wieder verlasse. In Griechenland über dem Wasser hängend meinen Bruder zu sichern und auf einem kleinen Segelboot unterwegs zu sein - das ist eine ganz andere Nummer. Da steckt kein TÜV dahinter, keine große Produktion, die alles zehnmal gecheckt hat. Philipp hat einfach ein Loch gebohrt, da steckt ein Haken drin – und dem muss ich vertrauen.

Merlin und die Frage nach dem Warum - so heißt eure Kletterroute und auch der Film eröffnet mit der Frage: "Warum machen wir das hier eigentlich?"

M Das wird im Film nicht konkret beantwortet. Aber die Bilder beschreiben ganz gut, warum man das macht: Um Neues zu entdecken, Neues auszuprobieren, herauszufinden was möglich ist.

P Segeln und Klettern - diese zwei Dinge sind für mich der Inbegriff von Freiheit. Auf Land hast du immer eine Referenz, eine Mauer, eine Leitplanke. Draußen auf dem Meer oder an unbegangenem Felsen gibt es das nicht. Die Wand auf Amorgos schießt direkt aus dem Wasser empor. Man kommt nur mit dem Schiff ran, bohrt aus dem Kajak den ersten Haken und dann geht direkt eine anspruchsvolle Seillänge los. Keine Schrofen, keine Büsche, die du erst hochkrabbeln musst. Es ist die perfekte Verbindung aus den beiden Elementen, die ich liebe.

Wenn man von seinem Ziel überzeugt ist und mit einer gewissen Gelassenheit dranbleibt, dann funktioniert es schon.

Philipp Hans Philipp Hans

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Der perfekte Kletterspot: eine unberührte Felswand,
die direkt aus dem Meer emporschießt.

Und euer Freund hat euch das Segelboot einfach so überlassen?

P Das ist die verrückteste Geschichte. Der Flo Schüle war für mich damals noch ein Fremder! Plötzlich kam diese SMS: Er habe hier ein Segelschiff abzugeben, wenn ich eine Idee hätte, soll ich anrufen. In der Stuttgarter Kletterszene hatte sich herumgesprochen, dass ich schon mal als Segler auf Grönland-Expedition war und Flo suchte jemanden, der etwas Abenteuerliches mit seinem Schiff macht. Er hat uns den Merlin von Herzen geliehen, egal ob wir Macken reinfahren. Sowas gibt es eigentlich nicht.

Ihr habt mehrere Anläufe gebraucht - was ist passiert?

M Drei Trips insgesamt. Beim ersten, 2024, hatten wir Amorgos noch gar nicht entdeckt. Beim zweiten lief dann gleich alles schief: Elektromotor tot, kein Strom an Bord, unser Begleiter Falk krank und Philipp zunächst allein. Wir haben es trotzdem nach Amorgos geschafft, sind das erste Mal an die Wand gefahren und haben ewig gebraucht, um eine Seillänge einzubohren. Der Rückweg war wegen Wellengang und Wind kaum schaffbar und über Nacht wurde auch noch Philipp krank. Wir mussten nach einem einzigen Tag abbrechen und saßen auf einer Nachbarinsel fest.

P Das gehört irgendwie dazu, dass es bei solchen Aktionen nicht einfach geht. Aber wenn man von seinem Ziel überzeugt ist und mit einer gewissen Gelassenheit dranbleibt, dann funktioniert es schon. Beim dritten Mal spielte dann alles in unsere Karten.

Amorgos

Geprägt von schroffen Bergen, spektakulären Steilküsten und tiefblauem Wasser ist Amorgos die östlichste Insel der griechischen Kykladen im Ägäischen Meer. Philipp Hans ist virtuell so ziemlich jede dieser Inseln "abgeflogen". Die Wand auf Amorgos sah in seinen Augen so steil und perfekt aus, dass gleich klar war: wenn, dann dorthin.

Moritz Attenberger ©

Wie war es für dich, Philipp, das Projekt anzuleiten?

P Ich habe schon mehrere Erstbegehungen mit dem Kletterer Stefan Glowacz gemacht und von ihm gelernt, wie man eine Wand liest und eine Route definiert. Griechenland war das erste Mal, dass ich das allein gemacht habe und ich war dauerhaft angespannt. Nachts weißt du nie: Hält mein Anker? Komme ich aus der Bucht raus? Wenn du in so einer Spirale drin bist und gar keine Ruhe mehr bekommst - das ist hart.

M Man ist ständig irgendeiner blöden Situation ausgesetzt, muss präsent sein - und dann ist es auch physisch brutal anstrengend auf so einem Segelboot.

Es ist immer schön, etwas Neues auszuprobieren. Aber es ist auch schön, immer wieder zum Klettern zurückzukommen. Das gibt mir Sicherheit – da fühle ich mich wohl.

Moritz Hans Moritz Hans

Was bedeutet es, eine neue Route einzubohren?

P Ich habe die Linie auserkoren und dann war es wie ein Puzzle: würde aufgehen, was ich mir im Fernglas ausgesucht hatte? Bei einer Erstbegehung kletterst du in Gelände, wo es nichts gibt und du alle Sicherungspunkte selbst anbringen musst. An schwierigen Stellen legst du eine Metallnase auf eine Kante, belastest sie vorsichtig... und weißt, dass sie sich beim Bohren lösen könnte, wenn sich dein Schwerpunkt verlagert. An einfacheren Stellen hältst du einen Griff und bohrst mit der freien Hand. Das wird schnell anstrengend - und unheimlich! Einmal ist mir ein Griff ausgebrochen und ich bin mit dem Griff in der einen und der Bohrmaschine in der anderen Hand runtergeflogen. Am Tag bekommt man maximal zwei Seillängen eingebohrt. Aber wenn die Route fertig ist, du sie frei kletterst und merkst, dass sie sogar schön geworden ist – das ist das Größte, was es für mich gibt. Und
dann noch meinen größten Kritiker, meinen Bruder, schwärmen zu sehen… Wie fühlt es sich an, mit eurem Film bei der EOFT dabei zu?

P Für mich ist das immer noch surreal. Wir waren bei jeder EOFT, haben die Filme und Bühnengäste gesehen und Gänsehaut bekommen, weil wir dachten: Vielleicht machen wir sowas auch mal. Und jetzt bist du derjenige, der dort oben steht und von seinem Abenteuer erzählt!

M Die Kletter- und Outdoorwelt, das ist das, wo wir herkommen. Da ist man in gewisser Weise wie zu Hause.

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Philipp Hans auf dem Segelboot Merlin
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Philipp and Moritz Hans, climbing in Amorgos
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Philipp and Moritz Hans
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Die Hansbrüder

Die Hansbrüder aus Stuttgart sind mit dem Klettern aufgewachsen. Moritz (links) stand 2018 im Olympia-Perspektivkader, entschied sich dann aber gegen die reine Wettkampfschiene und stellte sich neuen sportlichen Herausforderungen in den TV-Shows "Ninja Warrior" und "Let’s Dance". Philipp (rechts) entwickelte sich zunehmend zum Abenteurer, der Klettern und Expedition verbindet.